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Häufig gestellte Fragen

1. Wieviele Almen/Alpen gibt es in Bayern, die von Sennerinnen und Sennern bewirtschaftet werden?

In Bayern haben wir im Moment ca. 1400 Almen (jeweils ca. 700 in Oberbayern und im Allgäu), auf denen im Sommer Vieh weidet. Wir können davon ausgehen, dass etwa die Hälfte der Almen/Alpen mit festen Personal bewirtschaftet wird. Bei der anderen Hälfte folgt die Viehaufsicht durch regelmässige Kontrollbesuche vom Talbetrieb aus. Die Internetseite des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern (www.almwirtschaft.net/) enthält die wichtigsten aktuellen statistischen Daten zur regionalen Almwirtschaft (Anzahl der Almen, gesömmerte Tiere, Art der Bewirtschaftung, Flächen, historische Entwicklung, etc.) sowie eine PDF-Version der Informationsbroschüre des Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten „Alm- und Alpwirtschaft in Bayern“ von 2010.

Nur kurz zum Vergleich, in Österreich gibt es ca. 12.000 Almen, in der Schweiz etwa 7200 – auf der Hälfte davon wird gemolken und auf einem Viertel davon Käse hergestellt.

2. Welche Voraussetzungen braucht man, wenn man sich als Senner/in bewerben möchte?

Auf der Internetseite des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern  (AVO, www.almwirtschaft.net/), des Alpwirtschaftlichen Vereins im Allgäu (AVA, www.alpwirtschaft.de/)  finden sich neben vielen interessanten Informationen rund um die Almwirtschaft auch Hinweisblätter für Interessenten und Almstellenbewerber, die unter anderem auf diese Frage antworten. Auch die Internetseite der schweizer Älplerinnen und Älpler (www.zalp.ch/) enthält hierzu ausführliche Informationen. Sehr zu empfehlen ist auch das Buch „Neues Handbuch Zalp“ erschienen im Zalpverlag.

Grundsätzlich solltest du körperliche und mentale Belastbarkeit mitbringen, mit dir allein sein können, dich in jedem Wetter wohlfühlen können, mit einer eigenverantwortlichen Gestaltung der Arbeitstage und einer einfachen Lebensweise zurecht kommen. Einfühlsames Gespür für das Vieh und Grundkenntnisse in der Viehhaltung sind natürlich von Vorteil.  Gefragt ist auch Spontanität, Improvisationsvermögen und die Fähigkeit mit unvorhergesehenen Ereignissen und Notfällen umzugehen, ohne in Panik zu geraten.

3. Welches Alter sollte man als Sennerin haben?

Entscheidend ist die Freude, Kondition  und Bereitschaft sich tagtäglich neuen Herausforderungen zu stellen. Das Alter des Almpersonals liegt zwischen volljährigen Teenagern und rüstigen Rentnern. Viele Senner und Sennerinnen sind alleinstehend, da es eine gewisse Herausforderung darstellt eine zwei- bis viermonatige Almzeit mit Beruf und Familie zu vereinbaren. Es gibt jedoch auch Almen, die im Sommer von Almpersonal betreut werden, die sich alle 2 bis 4 Wochen abwechseln – also Zeiträume, die sich mit Urlaub und Überstunden abdecken lassen. Speziell größere (Melk-) Almen in Österreich und in der Schweiz werden zumeist von einem ganzen Team bewirtschaftet. Hier ist es oftmals auch möglich einfach nur für ein paar Wochen mitzuhelfen und in das Almleben rein zu schnuppern ohne gleich die gesamte Verantwortung für eine Alm (mit-)tragen zu müssen.

4. Wieviel verdient eine Sennerin?

Das ist je nach Arbeitsumfang sehr unterschiedlich und beginnt bei wenigen Hundert Euro monatlich (450 EUR/Minijob), kann aber auch wesentlich mehr werden. Das hängt von so verschiedenen Einflüssen ab wie z.B. Größe der Alm, Viehzahl, vereinbarte Arbeiten (Kühe hüten, melken, buttern, käsen, schwenden, Zaun- auf und abbauen, etc.). Außerdem spielt es eine Rolle, ob ein Almausschank mit dabei ist und wem die Einnahmen gehören, ob sich das Personal selbst mit Lebensmitteln versorgt oder vom Almbauern versorgt wird. Entscheidend ist auch, welchen Versicherungsstatus das Personal hat (Studenten, Rentner, Selbstversicherer/Selbstständige, angestellt mit kompletten Sozialversicherungen). Wer viel Geld verdienen möchte, sollte sich nicht für eine Almstelle bewerben. Vielmehr ist ein großes Maß an Idealismus und Freude notwendig. In der Schweiz ist die Bezahlung des Almpersonals tariflich geregelt und der Verdienst in der Regel daher um ein Vielfaches höher (vgl. www.zalp.ch)

5. Gibt es eine Ausbildung zur Sennerin für Bewerber, die nicht aus der Landwirtschaft kommen?

Bewerber, die nicht aus der Landwirtschaft kommen und bislang keine Erfahrung in der Almwirtschaft mitbringen, sollten vorher einen zumeist einwöchigen Tierhaltungskurs belegen. Diese Kurse werden bei uns in Bayern über die oben genannten almwirtschaftlichen Vereine (AVO, AVA) angeboten. Zahlreiche Ausbildungsmöglichkeiten bietet auch das Ländliche Fortbildungsinstitut in Tirol an (www.almwirtschaft.com). Erst mit der Kursbescheinigung kann man sich dann über die almwirtschaftlichen Vereine bewerben.

6. Wie bewirbt man sich um eine Almstelle?

Bewerber, die nicht aus der Landwirtschaft kommen und bislang keine Erfahrung in der Almwirtschaft mitbringen, sollten vorher einen zumeist einwöchigen Tierhaltungskurs belegen. Diese Kurse werden bei uns in Bayern über die oben genannten almwirtschaftlichen Vereine (AVO, AVA) angeboten. Zahlreiche Ausbildungsmöglichkeiten bietet auch das Ländliche Fortbildungsinstitut in Tirol an (www.almwirtschaft.com). Erst mit der Kursbescheinigung kann man sich dann über die almwirtschaftlichen Vereine bewerben.

7. Wo hast du deine Fertigkeiten als Sennerin erworben?

Ich komme aus einem kleinen landwirtschaftlichen Milchviehbetrieb, insofern durfte ich bereits vieles als Kind und in meiner Jugend erlernen. Zusätzliche Fähigkeiten habe ich mir dann durch „learning by doing“ angeeignet. Oft geht es im Leben einfach nur darum, sich zu trauen einfach mal zu machen, zu experimentieren und von anderen Menschen zu lernen. Mein Wissen über Ernährung, Heilpflanzen und essbare Wildpflanzen haben ich mir Rahmen entsprechender Fortbildungen angeeignet. (www.zfn.de, www.natura-naturans.de, www.dr-strauss.net)

8. Bietest du selbst auch Seminare und/oder (Koch-) Kurse zum Thema “Selbstversorgung und Essbare Wildpflanzen” an?

Mein Angebot an Lesungen, Vorträgen, Kursen und Seminaren erweitere ich zunehmend  und schneide diese auch flexibel auf gezielte Anfragen zu. Je nach Kurs/Seminar bewegt sich die Mindestteilnehmerzahl dabei zwischen 6 und 10 Personen. Mein Anliegen ist es, Menschen zu inspirieren, sie wieder für die Gaben der Natur zu sensibilisieren… durch Informationen und intensive Natur- und Geschmackserlebnisse neue Fähigkeiten in sich zu entdecken und zu entwickeln.

Es gilt seiner  Intuition zu vertrauen und ihr zu folgen… wagen, neue Wege zu denken und zu gehen, und zu lernen das „Aber“, das  allem im Weg zu stehen scheint, Schritt für Schritt aufzulösen… sich wieder mehr um sich selbst zu kümmern… sich vom Leben getragen zu fühlen, sich ihm anzuvertrauen oder sich dem Fluß des Lebens einfach nur hinzugeben.

9. Bewirtest du Gäste auf der Alm, kann man auf der Alm übernachten, kann ich bei dir einige Zeit mitarbeiten?

In der Regel biete ich den vorbei kommenden Wanderern, wenn es die Arbeit erlaubt, einfache aber raffinierte Brotzeiten mit meinen selbst hergestellten Lebensmitteln an. Die zumeist kleinen Almhütten, bieten keinen Platz für Übernachtungen. Tageweise ist es auf Anfrage grundsätzlich möglich, in das Almleben rein zu schnuppern und bei der Arbeit mitzuhelfen. Tierhaltungs- und Käsekurse belegt man allerdings besser im Tal. Das Angebot im Internet hierzu ist wirklich vielfältig.

10. Wie versorgst du dich auf der Alm? Bleibst du den ganzen Sommer über auf der Alm?

Aufgrund meiner Milchkühe, steht mir täglich Milch, Joghurt, Käse, Butter und Topfen zur Verfügung, meine Hühner versorgen mich mit frischen Eiern, das Brot backe ich mir selbst, Wildkräuter und Wildbeeren sammle ich fast täglich für Tee und Speisen. Ansonsten versorgt mich mein Mann mit frischem Obst und Gemüse aus unserem Garten und  gelegentlich Fleisch aus seiner Jagd. Auf der Alm esse ich einfache, aber mit Liebe und zubereitete Gerichte. Ich schätze diese Speisen, bin dankbar, und freue mich auch auf das Glas Wein oder die eine oder andere Halbe Bier, die oft in geselliger Runde genossen wird. Ins Tal gehe ich im Sommer wirklich nur in ganz dringenden Fällen, wenn ich jemand organisieren kann, der mich auf der Alm stunden- oder tageweise vertreten kann.

11. Wie gehst du auf der Alm mit der Einsamkeit um? Hast du keine Angst alleine auf der Alm?

Auf der Alm fühle ich mich ganz selten einsam. Ganz im Gegenteil, ich spüre dort oben tiefe Geborgenheit durch den intensiven Kontakt zu all meinen Tieren, durch den  beständigen Klang der Glocken, auf der Weide und im Stall und natürlich auch durch die viele Zeit in der Natur. Oft fühle ich mich unter Menschenmassen viel einsamer als alleine auf der Alm.

Hier auf der Alm empfinde ich ein Grund/(Ur-)Vertrauen, den Geschehnissen gewappnet zu sein, an meinen Herausforderungen stetig zu wachsen. Warum ich dieses Gefühl im Tal nicht so intensiv spüre, ist für mich nur schwerlich in Worte zu fassen. Und wenn alle Stricke reißen, habe ich im Notfall meist ein Handy zur Hand, bzw. meine Almnachbarn mehr oder weniger in Rufweite.

12. Wie gehst du mit Notfällen um?

Wenn ich Hilfe benötige, kann ich mich mit den Bauern übers Handy austauschen. Die Netzabdeckung ist in den Almgebieten zwar oft ziemlich schwach, aber irgendwo findet man immer einen Platz an dem man telefonieren kann. Zudem habe ich für mich und meine Tiere eine homöopathische Notfall-Apotheke zusammengestellt und nutze meine Wildkräuter-Essenzen sowohl zur Notfallversorgung als auch zur Behandlung kleinerer Wehwehchen.

13. Wie vereinbarst du Beruf/Familie mit deinem Leben als Sennerin?

Im Sommer ein paar Monate auf einer Alm zu verbringen, stellt sicher für jeden eine gewisse Herausforderung dar. Zuerst einmal ist es wichtig, sich wie oben erwähnt, bewusst mit dem „ Aber“ auseinander zu setzen, das der Realisierung seiner größeren und kleineren Träume zumeist im Weg zu stehen scheint und dann gemeinsam mit seiner Familie nach Lösungsmöglichkeiten zu suchen. Mein Mann und ich unterstützen uns gegenseitig in der Realisierung unserer individuellen Träume… und wir haben immer die Erfahrung gemacht: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg…